Glücks-Schock für Kultur-Matadore

Weimar.  Weimars DNT und Klassik-Stiftung werden mit 267 Millionen Euro beschert. Da dräut harte Arbeit.

Weitere 100 Millionen Euro zur Generalsanierung des Weimarer Stadtschlosses stehen nun in Aussicht; rund 40 Millionen Euro werden bereits in die klassische Vierflügel-Anlage verbaut. Die Wettiner-Residenz zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Weitere 100 Millionen Euro zur Generalsanierung des Weimarer Stadtschlosses stehen nun in Aussicht; rund 40 Millionen Euro werden bereits in die klassische Vierflügel-Anlage verbaut. Die Wettiner-Residenz zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Foto: Peter Michaelis / TLZ

Exakt 133,5 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags am Donnerstag für Weimar bewilligt; die Zustimmung des Parlaments gilt als Formsache. Auch die Gegenfinanzierung in derselben Höhe durch den Freistaat Thüringen darf man, getrost vorauseilend, als gegeben erachten. Da ist die Freude allemal groß. Und trotzdem...

„Das ist ganz toll!“ kommentiert DNT-Intendant Hasko Weber die Nachricht. Seit Amtsantritt 2012 habe er beharrlich auf den Sanierungsstau am Haus hingewiesen, erklärt er. Die letzte Generalsanierung datiere aus den 1970er-Jahren, in den 1990ern habe es eine größere Nachbesserung gegeben. Dass er jetzt – mit insgesamt 167 Millionen Euro von Bund und Land vor Augen – etwas größer denken kann, verleitet jedoch nicht zum Überschwang. Ziel sei es, das DNT „auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen“.

Schon ab nächsten Sommer beginnt Weber eine kleinere, längst aus Töpfen der Europäischen Union bewilligte Baumaßnahme. Mit fünf Millionen Euro wird der Zuschauersaal in Schuss gebracht und von 850 auf 750 Sitzplätze reduziert – der Beinfreiheit halber. Unterdessen ziehen die DNT-Ensembles in die Redoute, die Ausweichspielstätte an der Ettersburger Straße. Und dort werden sie, wenn alles gut geht, sich für längere Zeit einrichten müssen. Bis 2025 soll, so erwarten es die Parlamentarier in Berlin, die große Komplettsanierung vollbracht sein. Binnen fünf Jahren. Womöglich dauert es aber empfindlich länger – wie beim Stuttgarter Schauspielhaus und bei vielen anderen Kultur-Großbaustellen.

Dem DNT-Verwaltungsanbaudroht die Abrissbirne

„Man muss jetzt genau fokussieren, was mit dem Geld zu machen ist“, sagt Weber vorsichtig. Natürlich hat er eine Wunschliste im Kopf, zögert aber frei heraus zu sprechen. Es werde sicher um moderne Steuerungstechnik für Bühne, Beleuchtung und Ton gehen, sagt er. Auch um Werkstätten und Verwaltung, wo latent Raumnot herrscht. Erst auf Nachfrage bestätigt der Intendant, dass die Option, den kompletten Verwaltungstrakt abzureißen und neu zu bauen, in Betracht gezogen werde. „Das ist eine Idee“, sagt er. Ob es dazu kommt?

Ulrike Lorenz, aus Mannheim gestählte Baumanagerin, muss womöglich zuerst organisatorische Vorkehrungen treffen. Ihre Bauabteilung dürfte mit regulären Aufgaben und mit der bereits laufenden Großbaustelle im Ostflügel des Schlosses reichlich ausgelastet sein. Am Donnerstagabend sagte die Klassik-Präsidentin deshalb erst einmal, sie werde für klare Verhältnisse sorgen. Mit den 40 Millionen Euro aus dem alten, von ihrem Amtsvorgänger geerbten Masterplan, die heute nicht einmal mehr fürs halbe Schloss reichen, will sie diesen Teil sorgfältig zu Ende bringen. Und dann?

„Wir machen jetzt Ernst!“ kündigt die taffe Kulturfrau an – und meint es auch so. Parallel zu den laufenden Arbeiten will sie fürs übrige Schloss nochmals neu „masterplanen“ und ab 2023 – wenn der Ostflügel fertig ist – anfangen. „Wir haben es mit einem hochrangigen, sehr komplexen Baukörper zu tun“, warnt sie.

Ulrike Lorenz: „Das ist der Start in die Zukunft!“

Der größere Teil der Vierflügel-Anlage wurde nach dem Schlossbrand 1774 neu errichtet oder überformt, ein kleinerer ist noch älter. Da dräuen allenthalben Überraschungen, soweit sie sich aus bauforscherischen und archäologischen Sondierungen ergeben.

Auf jeden Fall will Lorenz – spätestens ab 2023 – zumindest „Schaufenster“ für Besucher in die schrittweise umzusetzende zweite Großbaustelle des Stadtschlosses öffnen. „Ich werde das Menschenmögliche tun, um das Beste daraus zu machen“, verspricht sie. „Das ist der Start in die Zukunft.“

Und gab’s vielleicht ein Glas Sekt? – „Ach, wissen Sie“, antwortet sie, „ich hab’ so viel zu tun...“


www.nationaltheater-weimar.de;
www.klassik-stiftung.de

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