Tier-Messie von Rittersdorf baut seinen Bestand ab

Der so bezeichnete Tier-Messie von Rittersdorf hat den Bestand seiner Tiere seit April abgebaut. Die Auflagen, die das Veterinäramt des Kreises Weimarer Land gegen die Familie verhängt hatte, werden Schritt für Schritt erfüllt.

Kontrollbesuch: Amtstierarzt Stefan Kleinhans (hier bei einem früheren Termin) war zuletzt Mitte Juli auf dem Gelände. Foto: Sabine Brandt

Kontrollbesuch: Amtstierarzt Stefan Kleinhans (hier bei einem früheren Termin) war zuletzt Mitte Juli auf dem Gelände. Foto: Sabine Brandt

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Rittersdorf. "Wir sind mit diesem Fall auf einem gutem Weg", sagt Amtstierarzt Stefan Kleinhans.

Vierzig Tiere hatte Ursula Bauer von "Aktion Tier", einem in Berlin ansässigen Tierschutzverein, seinerzeit auf dem Gelände gezählt. Die Zahl ist heute sichtbar geringer. Von ehemals drei Schweinen steht nur noch eines auf dem abgelegenen Gelände. Der Ziegenbock ist weg, Hühner und Fasane sind geschlachtet. Drei Ponys und dem Esel sei größerer Auslauf verschafft worden, sagt Kleinhans. "Es gibt jetzt Festkoppeln, und die Tierbesitzer räumen das Gelände Stück für Stück auf. Alles auf einmal können die Leute nicht schaffen. Aber es geht voran."

"Aktion Tier" hatte diesen Fall von "Animal Hoarding" entdeckt. Die TLZ griff den Fall Mitte April auf. Damals hatte Amtstierarzt Stefan Kleinhans die beklagte Familie in Rittersdorf zum wiederholten Mal aufgesucht, das Gelände in Augenschein genommen und war den von "Aktion Tier" erhobenen Vorwürfen nachgegangen.

Grundsätzlich ist Kleinhans dankbar für Hinweise auf Missstände wie den Fall von Rittersdorf. Der sei, sagt er heute, ein Vierteljahr später, "einzigartig in seiner Ausprägung".

Und doch stellt sich die Angelegenheit aus seiner Sicht zumindest in einigen Punkten anders dar. Zum einen, weil sich "die Familie ihrer Verantwortung bewusst geworden" sei. Zum anderen hätten die Laboruntersuchungen, die der Amtstierarzt in Auftrag gegeben hatte, den Verdacht einer wilden Entsorgung von Kadavern nicht erhärtet.

Tierknochen auf dem Gelände

Kleinhans geht davon aus, dass es sich bei den Knochen, die "Aktion Tier" auf dem Gelände gefunden hatte, um Schlachtabfälle handelt. Im Landeslabor seien die als Pferdekadaver bezeichneten Funde als Überreste vom Schwein identifiziert worden. "Das stützt unsere Hypothese von den Schlachtabfällen."

Der Tierschützerin aus Berlin geht der Wandel in Rittersdorf allerdings nicht schnell genug, wenngleich sie einräumt, seit 12."April nicht mehr vor Ort gewesen zu sein. Ihre Kontaktperson, erklärt sie, habe nicht feststellen können, dass sich die Situation wesentlich verändert habe. "Die Lösungen, die der Amtstierarzt mit der Familie vereinbart hat, sind weder art- noch tiergerecht." Sie habe, sagt Ursula Bauer, "das Gefühl, dass diese Leute über keinerlei Sachkunde in Tierhaltung verfügen".

Stefan Kleinhans indes sieht Fortschritte. Es seien Anträge auf die nachträgliche Erteilung einer Baugenehmigung gestellt worden, um die bestehende Bausubstanz zu legalisieren. "Die Familie weiß, dass ihr die Tiere weggenommen werden, wenn sie nicht kooperiert."

Und Kleinhans seinerseits ahnt, dass radikale Maßnahmen, wie sie von "Aktion Tier" gefordert werden, noch tiefere Wunden schlagen würden. Er setzt auf Kooperation, und ist immer noch überzeugt, damit weiter zu kommen.

"Wir möchten, dass die wenigen Rechte, die Tiere in Deutschland haben, auch durchgesetzt werden", sagte Ursula Bauer gestern. In diesem Punkt stimmt sie hundertprozentig mit Kleinhans überein.

"Wir haben für diesen Fall ein Nachstellverbot verhängt", berichtet Stefan Kleinhans. Das bedeutet, dass die Familie keine neuen Tiere dazu kaufen darf und dafür Sorge tragen muss, dass die Tiere aus dem Bestand sich nicht weiter vermehren.

Ursula Bauer rückt trotzdem von ihrer These keinen Schritt ab. Sie findet "das alles ein bisschen dubios" und hatte bei der Staatsanwaltschaft Erfurt auch Anzeige gegen Stefan Kleinhans erstattet, wegen "Unterlassung". Das war Ende April. Bis heute wissen weder der Amtstierarzt noch die Kreisverwaltung Weimarer Land etwas von Ermittlungen. "Bei uns und bei Herrn Kleinhans selbst liegt nichts dergleichen vor", sagte eine Sprecherin des Landrats.

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