Weimarer Land: Was Menschen dazu bringt, Tiere auszusetzen

Die Bremer Stadtmusikanten hatten wenigstens eine Alternative. Als es ihnen daheim zu qualvoll wurde, machten sie sich aus dem Staub. Sie befanden sich da in der Gewissheit: Etwas Besseres als der Tod findet sich allemal.

Gesucht wird der Halterdieser etwa fünf Jahre alten Staffordshire-Hündin. Das Tier ist stark abgemagert. In diesem Zustand wurde es Anfang Juli in Apolda ausgesetzt. Foto: Stefan Kleinhans

Gesucht wird der Halterdieser etwa fünf Jahre alten Staffordshire-Hündin. Das Tier ist stark abgemagert. In diesem Zustand wurde es Anfang Juli in Apolda ausgesetzt. Foto: Stefan Kleinhans

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Weimarer Land. Ein Weg wie im Märchen blieb der halbverhungerten Staffordshire-Hündin versagt, die in Apolda ausgesetzt worden war. Der Fall hatte Stefan Kleinhans, den Amtstierarzt des Kreises Weimarer Land, veranlasst, erstmals eine Belohnung auszusetzen für Hinweise, die das Veterinäramt zum Halter des Hundes führen. Wie sich die behördliche Suche entwickelt hat, nachdem nun eine Woche vergangen ist, darüber sprachen wir mit Stefan Kleinhans.

Sind Sie vorangekommen in Ihren Ermittlungen?

Wir stecken mitten drin, sprechen mit Zeugen, vernehmen Beschuldigte. Bis Mittwoch gingen bei uns neben unkonkreten, anonymen Meldungen zehn Hinweise ein, die sich alle auf zwei Namen konzentrieren. Die Beschuldigten bekommen die Möglichkeit, sich zu entlasten. Wir hoffen, nächste Woche weiter zu sein.

Wie oft kommen Fälle wie dieser vor, der Sie seit Anfang Juli beschäftigt?

In der Form habe ich so etwas noch nie erlebt. Hunde werden manchmal ausgesetzt, aber nicht in einem derart unterernährten Zustand. Typischer sind Fälle, in denen Tiere ausgesetzt werden, die von ihrem Halter bis dahin zumindest versorgt wurden.

Dahinter könnte vielleicht auch eine ganz untypische Geschichte stecken..?

Auf die bin ich auch gespannt. Es ist ja nicht unsere Aufgabe, die Gründe zu beurteilen, die jemanden dazu bringen, seinen Hund auszusetzen. Trotzdem kann es sein, dass diesem Fall ein sehr trauriges Vorkommnis vorausgegangen ist. Wir müssen in solchen Angelegenheiten behutsam vorgehen und eine sachbezogene Entscheidung treffen.

Schon mal jemanden zu fassen bekommen, der ein Tier ausgesetzt hat?

Ja.

Was bringt Menschen dazu, ihr Tier auszusetzen?

Oft handelt es sich um Personen, die auf Hilfe angewiesen wären und aufgrund persönlicher Lebensumstände zwar ein Tier um sich herum brauchen, aber mit diesem Tier nicht zurechtkommen. Das Tier kann ja tatsächlich ein Sozialpartner sein und den Menschen unterstützen. Aber der Mensch muss im Gegenzug für das Tier sorgen. Nicht jeder ist dazu in der Lage.

Juristisch gelten Tiere als Sache - nicht gerade ein Zeichen hoher Wertschätzung durch den Menschen.

Nach Bürgerlichem Gesetzbuch sind sie noch Sachen. Seit der Tierschutz aber zum Staatsziel erklärt wurde, ist ihre Versachlichung aufgehoben. Tiere werden gesetzlich als Mitgeschöpfe anerkannt. Man kann ein Tier zwar kaufen und verkaufen, aber es ist keine Sache mehr. Die allermeisten Menschen sehen das auch so. Man schmust ja auch nicht mit den Tisch, sondern eher mit dem Haustier.

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