Weimarer Pfarrer hadert mit dem Papstbesuch

Als Seelsorger leistet der katholische Weimarer Pfarrer Carsten Kämpf tagtäglich in der Stadt und ihrer Umgebung für die Kirche Basisarbeit. Der anstehende Papstbesuch sollte ihn über alle Maßen freuen, möchte man meinen - doch den Geistlichen beschleichen Zweifel angesichts des nahenden Events.

Carsten Kämpf ist Pfarrer in Weimars Katholischer Pfarrgemeinde. Foto: Peter Michaelis

Carsten Kämpf ist Pfarrer in Weimars Katholischer Pfarrgemeinde. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Weimar. Der Besuch des Papstes kann eine Chance sein. Dass Pfarrer Carsten Kämpf dennoch damit hadert, hat andere Gründe: Zu aufwändig gestalte sich das Ereignis für eine Kirche in der Diaspora. Und angesichts des Eventcharakters dürfe man die Frage nach der Nachhaltigkeit schon stellen.

Carsten Kämpf wird nicht da sein, wenn der Papst im September nach Thüringen kommt. Weder auf dem Domplatz in Erfurt, noch im Eichsfeld. Er wird sich dann dem Gebet und der Besinnung widmen, wobei noch nicht klar sei, ob ihn seine Exerzitien in das Prämonstratenser - Kloster Stift Schlägl im Mühlviertel in Österreich oder nach Israel führen werden. Kämpf widmet sich jedes Jahr dieser religiösen Einkehr und will auch trotz des Besuches von Benedikt XVI. daran festhalten.

"Um nicht missverstanden zu werden. Ich bin froh, dass der Papst Thüringen besucht. Und ich finde es gut, dass er eingeladen wurde. Aber ich habe meine Bedenken gegen ein Großereignis, dass das Bistum an zwei Orten durchführt", betonte der Pfarrer. Dass er vielleicht mit einem ungewöhnlichen Gleichmut den Papst-Besuch betrachtet, hat mehrere Gründe. So war er selbst häufiger in Rom und erlebte direkt nach der Wende auch eine Privataudienz bei Johannes Paul II.

Weiterhin räumte Kämpf ein, dass ihn der Streit über die Frage, welchen Ort Benedikt in Thüringen besuchen solle, maßlos enttäuscht habe. Der Zwist zwischen dem Eichsfeld und Erfurt sei unter anderem in der Frage gegipfelt, warum der Papst eine Stadt besuchen solle, die keine Gläubigen habe. Die zweite Ebene ist vielschichtiger: Auch der Papst-Besuch könne nicht kaschieren, dass die Kirche vor großen Herausforderungen stehe und sie offenbar nicht schnell genug bewältigen könne oder wolle.

Als Seelsorger, der tagtäglich in Weimar und Umgebung für die Kirche Basisarbeit leistet, kann sich Kämpf ein Urteil erlauben. Es komme nicht von ungefähr, wenn selbst das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die jetzige Entwicklungen als Rückschritt bezeichne. So wird die Ökumene beispielsweise nur noch zaghaft diskutiert. "Vergessen wird, dass in den neuen Ländern nicht die Katholiken sondern alle Christen in der Diaspora leben." Auch die Frage, warum verheiratete Männer nicht zum Priester geweiht werden dürfen, werde kaum diskutiert. Dabei stelle sie nicht einmal das Zölibat in Frage.

So gesehen will Kämpf zumindest für seinen Bereich jene Zahl relativieren, die Ende Juli von der Bischofskonferenz veröffentlicht wurde: Zum ersten Mal lag im Jahr 2010 die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland höher als die der Taufen. Zu einfach sei es, diese Statistik nur auf die bekannt gewordenen Missbrauchsskandale in katholischen Einrichtungen zurückzuführen. "Für viele war dies nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte."

4800 Katholiken leben in Weimar, davon traten im vergangenen Jahr 48 Frauen und Männer aus. Allein: Diese Entwicklung begann früher und lasse sich nicht allein mit dem Skandal erklären, der im vergangenen Jahr auch die Weimarer Gemeinde erreichte. 2009 traten 34 Menschen aus der Kirche aus, 2008 und 2007 waren es 15 beziehungsweise 17. "Ich kann nur vor Ort arbeiten", betonte Kämpf am Donnerstag, "die Kirche in Rom kann ich nicht verändern."

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos zum Papstbesuch in Thüringen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.