FC Carl Zeiss Jena holt 2:2 in verrücktem Spiel gegen Babelsberg 03

Die Jenaer Regionalliga-Kicker holen beim SV Babelsberg 03 ein 2:2 (0:1). Die 3000 Zuschauer bekamen eine Menge geboten. Weit nach dem Spiel gab es noch heftige Diskussionen um die strittigen Szenen in einem turbulentem Spiel. Durch den Punktgewinn kletterte Jena - zumindest vorübergehend - auf den fünften Tabellenplatz.

Wieder von Beginn an dabei: Tom Geißler ist in dieser Szene vor Babelsbergs Lavro Sindik am Ball. Foto: Peter Poser

Wieder von Beginn an dabei: Tom Geißler ist in dieser Szene vor Babelsbergs Lavro Sindik am Ball. Foto: Peter Poser

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Babelsberg. Es ist doch nicht euer Ernst, oder?" - Karsten Hutwelker zieht die Schultern hoch und breitet die Arme aus. Entgeistert schaut er aufs Feld. Eine halbe Stunde ist rum beim Flutlicht-Kick im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion. Die Zeiss-Kicker traben statt rennen, geben Begleitschutz, statt den Zugriff zu suchen - und sie liegen hinten. Mit 0:1. Es war der Vorbote eines durchwachsenen Auswärtsauftrittes. Trotzdem: Remis, 2:2. Immerhin. Und vor allem: Verrückt!

Die Partie beginnt zunächst später. Weil ein Zementlaster irgendwo auf der A9 bei Bad Dürrenberg die Mittelleitplanke durchbrochen hatte, standen die meisten Fans aus Jena im Superstau. Vereine und Polizei plädierten auf eine Verlegung von 30 Minuten, der Nordostdeutsche Fußball-Verband gewährte zumindest ein akademisches Viertel, wie das Jenaer Fanprojekt berichtet. Karsten Hutwelker hat mit der Aufstellung überrascht. Daniel Rupf schaut sich das Spiel zunächst trotz bisher überzeugender Auftritte von der Bank aus an. Dafür durfte der bisherige Dauer-Rekonvaleszent Tom Geißler von Beginn an ran.

Nach durchaus ansehnlichen ersten zehn Minuten verlieren die Thüringer den Faden — und alsbald Pierre Becken, den beinharten Stopper. "Etwas am Knie", sei es, sagt er traurig. Nun ist Daniel Rupf im Spiel. Der SV Babelsberg hat sich indes sich in die Partie gekämpft - und belohnt sich nach 24 Minuten. Beide Jenaer Innenverteidiger - Christoph Klippel und Justin Gerlach - schlafen einträchtig und ermöglichen Joaquim Makangu den Solo-Sprint samt Ball Richtung Torwart Tino Berbig. Ein Jenaer rutscht noch in den Schuss des Babelsberger Angreifers - zum Leidwesens Berbig, der dem Ball so nur nachschauen kann, 1:0 für die Gastgeber.

Das Jenaer Spiel ist ohne Struktur, führungslos und gänzlich dem Zufall überlassen. "Wir können von Glück reden, dass wir nach der ersten Halbzeit noch im Spiel waren. Das war mit das Schlechteste, was ich je gesehen habe", sagt Karsten Hutwelker.

Nach einer halben Stunde kommt Dominik Bock auf halblinks im Sechzehner ans Leder, seine Eingabe wird abgewehrt und landet vor den Füßen von Alexander Hettich - dessen straffer Versuch zischt übers Quergestänge. Kurz drauf muss auch noch Bock passen - mit einer Oberschenkelverletzung. Dafür kommt mit Jakub Wiezik ein zweiter Angreifer.

Der ist kaum drin, da sieht er auf der anderen Seite, wie nach bösem Lapsus von Klippel Makangu erneut durch ist, diese Gelegenheit aber vergibt (38.).

Dann ist Pause.

Und nach der wird‘s feurig. Zuerst in Form einer Choreographie im Babelsberger Fanblock - und die zündete auch auf dem Rasen. Ugurtan Cepni und Tino Berbig geraten aneinander, Christoph Klippel eilt herbei, Rudelbildung. Auf der anderen Seite ist in einer solchen Jakub Wiezik mittendrin. Babelsbergs Leon Hellwig sieht auch Gelb - und schon bald darauf Gelb-Rot. Den anschließenden Freistoß schießt Rupf scharf und angeschnitten in die Box. Wiezik köpft links vorbei (63.).

Von der numerischen Überlegenheit der Thüringer ist aber nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Babelsberg hat weiterhin alles unter Kontrolle. Bis zur 76. Minute. Dann flankt Tino Schmidt und der soeben eingewechselte Maxim Banaskiewicz schießt ein, 1:1 (76.). Dann fliegt Andreas Löser vom Feld. Erst begeht er ein Foul - Gelb! In der nächsten Sekunde schlägt er das Leder weg - Gelb-Rot! 78 Minuten sind rum.

Dann segelt die nächste Flanke in den Sechzehner der Babelsberger. Jovanovic köpft die Kugel an den Pfosten - den Abpraller wuchtet Banaskiewicz in die Maschen, 1:2 (88.). Zu 1903 Prozent verrückt.

Doch das ist noch nicht das Ende dieser turbulenten Partie: Julian Prochnows Schwalbe nach Daniel Rupfs Nichtberührung hat einen Elfer zur Folge. Den versenkt Bilal Cubukcu zum 2:2. Dann ist Schluss. "Wir haben Moral bewiesen und einen verdienten Punkt mitgenommen", sagt Hutwelker, der vor allem nicht mit Kritik am Schiedsrichtergespann spart: "Was die drei Herren präsentiert haben, war der Leistung beider Mannschaften unwürdig. Beide Mannschaften sind brutalst benachteiligt worden. Die Gelb-Rote Karte gegen Andreas Löser war eine Frechheit", bemerkt Jenas Trainer. Sein Gegenüber Cem Efe will sich nicht äußern - auch nicht zum schmeichelhaften Elfer: "Ich freue mich, dass es einer war. Ob es einer war, weiß ich nicht", sagt Babelsbergs Trainer nach der Begegnung.

Das Spiel Carl Zeiss Jena gegen SV Babelsberg 03 im Liveticker

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