13. Thüringen-Ultra: Marcel Leuze gewinnt mit Gurken als Treibstoff

Fröttstädt  Wie sich Marcel Leuze in Fröttstädt zum Triumphator beim 13. Thüringen-Ultra über 100 Kilometer gekrönt hat.

Luftsprung ins Ziel: Marcel Leuze aus Hamburg, der aus Thüringen stammt, hat zum ersten Mal den Thüringen-Ultra gewonnen.

Foto: Lukas Schüssler

Als hätte er gerade einen lockeren Lauf erfolgreich zu Ende gebracht, sprang Marcel Leuze jubelnd in die Höhe und schlug als Zeichen des Sieges das Zielbanner in Fröttstädt ab. „Ich musste mich nie quälen. Es lief immer gut“, sagte der Läufer aus Hamburg, der den 100 Kilometer langen Thüringen-Ultra gewann. Staub klebte an seinen Schuhen, ein paar Schweißperlen liefen ihm über das Gesicht – ansonsten war ihm von den Strapazen auf der Strecke mit 2100 Höhenmetern scheinbar nichts anzumerken.

„Das Laufen ist meine natürliche Daseinsform. Am Sonntag werde ich mich ausruhen, am Montag einen lockeren Dauerlauf machen“, sagte 33-Jährige, der in 8:32:51 Stunden genau 14:45 Minuten schneller war als Rico Bechmann vom gastgebenden Verein Lauffeuer Fröttstädt. Ebenso stolz war Christian Thiel als Drittplatzierter in 9:14:13 Stunden, der sich auf seine eigene Weise auf den Ultra durch den Thüringer Wald vorbereitet hatte: „Ich bin seit drei Wochen jeden Morgen um 4.20 Uhr aufgestanden, um mich an die frühe Startzeit zu gewöhnen.“

Bei für die Läufer angenehm frischen 11 Grad war am Sportplatz in Fröttstädt in aller Herrgottsfrühe um 4 Uhr der Startschuss gefallen. Für Triumphator Leuze war es bereits sein zweiter Ultra-Sieg auf Thüringer Boden. Im September 2017 hatte er in Gotha die 24-Stunden-Meisterschaft gewonnen, als er 240,672 Kilometer abspulte und sich damit Gold holte.

Ein Thüringer in Hamburg

Insofern erscheinen die 100 Kilometer von Fröttstädt als vergleichsweise kurze Strecke, aber für Leuze hat der Ultra in Thüringen eine besondere Bedeutung. „Ich stamme aus Wurzbach und wusste deshalb ja auch schon bei meiner ersten Teilnahme 2014, was auf mich zukommen würde“, sagte der Wahl-Hamburger, der im Saale-Orla-Kreis aufgewachsen ist: „Insofern war es ein Heimspiel für mich und der Sieg deshalb auch besonders.“

Dabei kam Leuze sozusagen über Umwege ins Ziel. Bei Kilometer 13 hatte er sich verlaufen, aber schnell wieder zurück auf die Strecke gefunden, „Das war mein eigener Fehler“, sagte der 33-Jährige, der die meiste Zeit alleine lief, unterwegs etwa knapp sieben Liter Flüssigzeit zu sich nahm und bei Kilometer 60 zum ersten Mal zur Cola greifen musste. „Das mache ich sonst so früh im Rennen nie. Ich habe gemerkt, dass mein Körper mehr Energie braucht. Bis dahin habe ich wie üblich Wasser und isotonische Getränke getrunken.“

Gurken gegen Krämpfe

Bei den fleißigen Helfern an der Strecke mit 16 Verpflegungspunkten, bedankte sich Leuze mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht: „Die Verpflegung war top. Aber da ich Erster war, hatte ich überall ja auch genügend Auswahl.“ Er scheute sich nicht, auch zu auf den ersten Blick ungewöhnlichen Energielieferanten zu greifen. Dazu zählten etwa Salzbrezeln, Tomaten oder Gewürzgurken: „Deren Saft beugt Krämpfen vor.“

Jeder Sportlehrer wäre über einen wie Leuze glücklich. Einst nämlich entfachte der Schulsport bei ihm die Freude am Laufen. In Hamburg-Barmbek nun verkauft er – wie passend – Laufschuhe und legt den Weg zur Arbeit in der Fuhlsbüttler Straße meist laufend zurück. In der Woche kommt er auf 80 bis 100 Trainingskilometer, die er in den Wochen vor einem Ultra auf 200 steigert und als Generalprobe am Stück 80 Kilometer absolviert. Seinen ersten Ultralauf bewältigte er übrigens in seiner Heimat. 2012 kam er beim 73,9 Kilometer langen Rennsteiglauf-Supermarathon in 6:00:37 Stunden auf Platz 29 ins Ziel.

Bodenständiger Überflieger

Sein Sieg in Fröttstädt soll nicht der letzte Triumph bleiben. Bei den deutschen 24-Stunden-Meisterschaften am 24./25. August in Bottrop möchte er zum dritten Mal in Folge Gold gewinnen. Trotz seiner starken Leistungen ist er bodenständig geblieben. Als er im Ziel drei Becher leer getrunken hatte und sich noch einmal gierig bei den Getränken bediente, entschuldigte er sich fast. „Das ist der letzte Becher. Ich will den anderen Läufern nicht alles wegtrinken.“ Leuze wirkte als Ultra-Lauf-Triumphator von Fröttstädt geerdet. Selbst wenn er mit einem Luftsprung den Zielstrich überquerte.

Beate Ernst ist die schnellste Frau

Schnellste Frau beim 13. Thüringen-Ultra war Beate Ernst in 11:06:18 Stunden (Lauffeuer Fröttstädt) vor Katrin von Iven (Aschersleben/+21:10 Minuten) und Martina Wahl (Rennsteiglauf-Verein/+31:50). Uwe Lienert und Stefan Gollhardt bildeten die beste Männerstaffel über 2x50 Kilometer (9:14:25 Stunden). Gunther Frauendorf und Bettina Böttcher als Mix-Team waren in 9:00:15 Stunden noch schneller. Die Staffel des Rennsteiglauf-Vereins und des SC Impuls Erfurt mit René Große, Ingo Thurm, David Münch und Dirk Siewert gewann in 6:50:42 Stunden die 4x25-Kilometer-Staffelwertung.

Bei den Frauen triumphierten Sarah-Alicia Krause, Katrin Kaufmann, Sandy Dinort und Christine Schiebold vom LTV Erfurt in 9:00:35 Stunden. Die Mix-Staffel des USV Erfurt siegte mit Adrian Panse, Marie Brückner, Frank Becker und Babette Udhardt (7:53:30).

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