Wanderfalken: 400 Stundenkilometer im Sturzflug

Dieses Tier wird schneller als ein Rennwagen. Nein, nicht der Gepard. Auch nicht die Rennmaus. Der Wanderfalke hält den Rekord als schnellstes Tier der Welt - mit einem besonderen Trick.

Auf Beutefang: Im Sturzflug ist der Wanderfalke das schnellste Tier der Welt. Foto: dpa

Auf Beutefang: Im Sturzflug ist der Wanderfalke das schnellste Tier der Welt. Foto: dpa

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Weimar. Er saust durch die Luft. Der Wanderfalke ist so schnell unterwegs, dass unsere Augen ihm kaum folgen können. Das gilt nicht, wenn er friedlich über den Boden hüpft. Oder gemütlich durch die Luft segelt. Aber wenn er am Himmel auf Beutejagd geht, dann hat dieser Greifvogel eine besondere Methode, um ein Supertempo zu bekommen.

"Er hat kräftige, kleine Flügel. Damit kann er Fahrt aufnehmen und im Jagdflug rasant beschleunigen", sagt der Fachmann Ulrich Lanz. Er arbeitet beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern.

Körper wie ein Tropfen

Der Wanderfalke kreist einige Hundert Meter über der Erde. Dann setzt er zum Spurt an. "Er nimmt in der Luft sehr lange und kräftig Anlauf - und stürzt sich mit einer Supergeschwindigkeit abwärts", sagt der Experte. Dabei klappt der Wanderfalke die Flügel an den Körper.

In so einem Sturzflug entwickelt der Vogel ein rasendes Tempo. "Sein Körper hat eine Tropfenform. Er ist stromlinienförmig", sagt Ulrich Lanz. Das bedeutet: Die Luft strömt an seinem Körper ohne großen Widerstand vorbei. "Deshalb gleitet er so leicht durch die Luft."

Wie schnell genau Wanderfalken durch die Luft sausen, ist nicht ganz sicher. Fachleute wie Peter Wegner sagen, dass es im normalen Flug etwa 100 Kilometer pro Stunde sind. Ungefähr so schnell ist auch ein Gepard, wenn er rennt. Der Gepard ist das schnellste Tier an Land. Aber eben nicht in der Luft.

Nur selten: 400 Kilometer pro Stunde um Sturzflug

Ein Wanderfalke im Sturzflug hat deutlich mehr Tempo. "Da kommt er auf mehr als 200 Kilometer pro Stunde", sagt Peter Wegner. Das ist schneller als mancher Raser auf der Autobahn. Einige Experten sprechen bei Wanderfalken auch von 300 Kilometern pro Stunde. Das Tempo wird meist mit Hilfe einer Kamera gemessen. Sie filmt das Tier im Sturzflug. Daraus wird dann die Geschwindigkeit berechnet.

"Bei einem Wanderfalken wurde sogar mal ein Tempo von mehr als 400 Kilometern pro Stunde gemessen", erzählt Peter Wegner. Dabei sei der Vogel aber senkrecht nach unten geschossen. "So etwas machen Wanderfalken selten", meint der Fachmann. Meist fliegt der Vogel leicht schräg auf seine Beute zu. Und ist dann immer noch schneller als alle anderen.

"Na Klar!": Hohes Tempo ein Vorteil bei Beute-Jagd

Wanderfalken flitzen nicht zum Spaß durch die Luft. Sie nutzen ihr Supertempo, um an Futter zu kommen. "Bei der Jagd nach Beute ist die hohe Geschwindigkeit ein Vorteil. Sie sorgt für einen Überraschungseffekt", sagt der Fachmann Ulrich Lanz.

Der Wanderfalke versucht, seine Beute zu überrumpeln. Er zieht in großer Höhe seine Kreise und guckt sich von dort ein Beutetier aus, das ahnungslos unter ihm fliegt. Zum Beispiel eine Drossel oder eine Taube. Im schnellen Sturzflug schießt er dann darauf zu.

Er schlägt das Tier im Flug, wie es in der Fachsprache heißt. Das bedeutet: Der Wanderfalke trifft das Beutetier in der Luft mit seinen Füßen, so dass es fast bewusstlos wird. "Dann fängt er das verletzte Tier", sagt Ulrich Lanz.

Das ist zumindest der Plan. "Von sechs bis acht Versuchen ist vielleicht einer erfolgreich." Denn gerade weil der Wanderfalke so schnell ist, gehen viele Angriffe daneben. Der Experte sagt: "Bei einem so hohen Tempo ist es schwer, die Stoßrichtung auf den letzten Metern noch zu korrigieren - die Beute kann sich oft mit einem schnellen Ausweichmanöver retten."

Menschen nutzten die blitzschnellen Greifvögel schon vor einigen Tausend Jahren für die Jagd. Dazu wurden die Tiere abgerichtet. Wanderfalken töteten andere Vögel.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.