Kreis Gotha: Seltene Bäume am Jakobsweg gepflanzt

Mit einer Pflanzaktion in Kleinrettbach sollen seltene Bäume erhalten bleiben. Das Wetter war dafür schon einmal mit.

Manuela Schade (links) und Heike Neugebauer sind für die Thüringer Landgesellschaft als Regionalmanagerinnen mitverantwortlich, dass der Thüringer Obst- und Raritätenpfad wächst. Sie sorgen dafür, dass die nötigen Fördergelder fließen. Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Kleinrettbach. Der November macht seinem Namen alle Ehre. "Bestes Pflanzwetter", sagt Thomas Penndorf vom Lebensgut Cobstädt. Der Prinzenapfel, der nebst neun weiteren Sorten nahe Kleinrettbach am Jakobsweg gepflanzt wurde, wird es mit schnellem Anwachsen danken. Dass die Menschen bei dieser Aktion fröstelten, war halb so schlimm. Schließlich diente sie einem guten Zeck.

In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden längst des Jakobsweges seltene Obstbäume gepflanzt. Dieser Thüringer Obst- und Raritätenpfad ist übrigens kostbar im doppelten Wortsinn. Es geht nicht allein darum, dass sich Pilger und Wanderer im Vorübergehen einen Apfel oder anderes Obst ernten können. Auf diese Weise sollen auch historische Kulturpflanzen erhalten werden.

"Die Bäume, die gepflanzt werden, kommen aus unserer Baumschule. Dass wir diese anlegen konnten, danken wir dem Landwirtschaftlichen Betrieb in Großrettbach und auch in Grabsleben, der uns die Fläche zur Verfügung stellte", erklärt Penndorf. Für Betriebsleiter Markus Rist-Schürenkämper vom Grabsleber Unternehmen war das sozusagen Ehrensache. "Den Jakobsweg auf diese Weise aufzuwerten, halten wir für eine gute Sache", sagt der Mann, dessen Betrieb auch längs des Pilgerweges rund zwei Kilometer Blühstreifen angelegt hatte.

Bäume wachsen in der eigenen Baumschule ohne Dünger auf, was seine Zeit dauert, aber für robustes Material sorgt. "Diese Bäume werden auch in einhundert Jahren noch stehen und schmackhafte Ernten liefern", ist sich Thomas Penndorf sicher. Insgesamt werden hier eintausend Obstsorten kultiviert, die gleichzeitig auch in dem Schaugarten besichtigt werden können. Und sie kommen nicht nur entlang des Jakobsweges in Thüringen in die Erde. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt hat diese Pflanzaktion begonnen, dort wurden - ebenso wie in Thüringen - am Reformationstag Bäume in die Erde gebracht. "Mittlerweile gibt es auch schon Anfragen aus der Schweiz, nach Obstbäumen aus unserer Baumschule für den Jakobsweg."

Neben den landwirtschaftlichen Betrieben in Großrettbach und Grabsleben engagiert sich auch die Agrargenossenschaft in Kleinrettbach für das Projekt, das längst nicht mehr allein das Lebensgut Cobstädt vorantreibt. "Wir sind froh, diese Partner gefunden zu haben", sagt Thomas Penndorf. Auch wenn die Landwirtschaftsbetriebe an der Aktion nichts verdienen, sie unterstreichen damit die Verbundenheit zu ihrer Heimat. "Ich denke, die Verantwortlichen wissen sehr wohl, wie wichtig blühende Landschaft sind, welche Vorteile eine biologische Vielfalt in unserer Kulturlandschaft bringt. Und sie wissen auch, was wir unseren Kindern schuldig sind."

Das kann Bernhard Göring von der Agrargenossenschaft in Kleinrettbach nur unterstreichen. Sein Unternehmen hat eine Fläche von einem halben Hektar gekauft, um dort die Pflanzaktion möglich zu machen. "Natürlich verdienen wir,, vordergründig betrachtet, daran gar nichts", sagt Göring, "doch es braucht Idealismus, um solch ein Zukunftsprojekt möglich zu machen."

Nach und nach wächst der Thüringer Obst- und Raritätenpfad dank vieler Unterstützer. Auch die Evangelische Kirche gehört dazu. Die Kirchengemeinden nutzten den Reformationstag, um die Konfirmanden einen Baum pflanzen zu lassen. Jüngst in die Planung aufgenommen: der Lutherweg. Auch dort soll die Thüringer Landschaft geschmacklich erlebbar gemacht werden.

Am Dienstag pflanzten die Regionale Aktionsgruppe der Thüringer Landgesellschaft in Kleinrettbach ihre Obstbäume am Jakobsweg. Aus gutem Grund, denn Manuela Schwabe und Heike Neugebauer haben als Regionalmanagerinnen großen Anteil am Wachsen des Projekts. "Wir haben uns für die Fördermittel stark gemacht", informiert Manuela Schwabe. Insgesamt betreute das Duo zwischen 2008 und 2013 im Landkreis Gotha 106 landwirtschaftliche Projekte. Dafür wurden knapp sechs Millionen an Fördermitteln ausgeschüttet.

In Kleinrettbach bekam neben dem Prinzenapfel, der hierzulande auch als Hasenschnauze oder Schlotterapfel bekannt ist, die Apfelsorte Erwin Bauer einen neuen Standort. "Das ist ein Winterapfel, der zwar erst nach dem zweiten Weltkrieg gezüchtet wurde, heute aber nicht mehr zu bekommen ist", weiß Tom Leukefeld, der Obstbauspezialist vom Lebensgut Cobstädt. Gepflückt werden kann in wenigen Jahren hier auch der Gravensteiner oder die Kaiserbirne, die lange Zeit als verschollen galt und von einem Pfarrer im Elsaß wiederentdeckt wurde. Wert bei der Auswahl wird auf einst regional verbreitete Sorten gelegt.

Schon in zwei Jahren rechnet Thomas Penndorf damit, dass die erste Ernte eingefahren werden kann.

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