Landkreis Gotha. Bei allem Verständnis für die Proteste im Kreis Gotha setzt unser Autor Grenzen. Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen.

Kürzlich fragte mich ein Kollege, ob es mich störe, Leserbriefe auf meine Kommentare zu bekommen. „Nein“, erwiderter ich prompt, „dafür sind Kommentare schließlich da.“ Hintergrund war meine Meinungsäußerung vom vergangenen Donnerstag, wegen der mir eine Leserin schrieb. Darin hatte ich geschrieben: „Um ihre Forderungen durchzusetzen, sollten Landwirte und andere Demonstranten zu allen möglichen Mitteln greifen.“

Bevor ich die Zeit finde, der Leserin endlich zu antworten (Ich habe Sie nicht vergessen!), sehe ich mich gezwungen, meine Meinung zu den Protesten zu konkretisieren. Ich hätte aufmerksamer sein müssen und diesen Satz zumindest um das Wort „rechtlich“ ergänzen sollen. Denn: Bei allem Verständnis für die Demonstrationen dürfen es die Teilnehmer nicht zu weit treiben.

Proteste im Kreis Gotha müssen sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegen

Die Leserin hat mit ihrer Kritik vollkommen recht. In Zeiten wie diesen braucht es keine Eskalation, wie sie sich sicher so mancher Rechtsextremer wünschen mag. Jedes Mal, wenn ich bei einem Protest im Landkreis Gotha bin, muss ich an die Landvolkbewegung denken, suche regelrecht nach deren Fahne. Bisher konnte ich sie nie erspähen. Ich bin froh, dass Landwirte keine Extremisten dulden und auch nicht zu denen abdriften.

Tobias Leiser ist Reporter in der Lokalredaktion Gotha.
Tobias Leiser ist Reporter in der Lokalredaktion Gotha. © Archiv | Malte Hahs

Die Landvolkbewegung war eine Art Antwort auf die Agrarkrise der 1920er-Jahre. Sie war mitunter von völkischem Nationalismus, Antiparlamentarismus und Antisemitismus geprägt. Während ein Teil auf friedlichen Protest setzte, radikalisierte sich der andere. Höhepunkte bildeten später Anschläge auf Ämter.

So weit darf es nie wieder kommen! Proteste müssen sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegen. Wir wissen, was passiert, wenn man diese Grenze überschreitet.

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