FC Rot-Weiß Erfurt: Ab jetzt zählt nur noch der Pokal

Nach dem 3:1 am Donnerstagabend hat der FC Rot-Weiß Erfurt den Drittliga-Klassenerhalt wohl in der Tasche. Doch schon am Ostermontag wartet das Thüringer Pokal-Halbfinale in Dachwig. In Erfurt ist der Gewinn der Landespokals nun das oberste Saisonziel.

Den Dank von den Fans abgeholt: Simon Brandstetter genießt nach dem Sieg und seinem ersten Tor seit September 2013 die Nähe des Erfurter Anhangs. Foto: Sascha Fromm

Den Dank von den Fans abgeholt: Simon Brandstetter genießt nach dem Sieg und seinem ersten Tor seit September 2013 die Nähe des Erfurter Anhangs. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt Walter Kogler ist ein gläubiger Mensch. Und so gibt es zu Hause in seiner Heimat über die Osterfeiertage am heutigen Sonnabend auch die berühmte österreichische Osterjause. Ein Gericht aus Beinschinken, Eiern und Weißbrot, das zuvor in der Kirche geweiht wird. Das erste Fleisch nach der Fastenzeit. Es ist nur ein Kurztrip nach Tirol, den der 46-Jährige einlegen kann. Denn das Osterfest endet für ihn und seine Mannschaft am Montag schon wieder mit einem Pflichtspiel in seiner Wahlheimat Thüringen. In Dachwig wartet der Tabellen-14. der Verbandsliga im Thüringer Pokalhalbfinale.

Leichte Kost nach der Fastenzeit? "Überhaupt nicht", sagt Kogler, "wir werden dort mit dem gleichen Ernst und kompromisslos auftreten, wie heute." Heute, das war am Donnerstagabend gegen Dortmunds Zweite. Mit dem 3:1-Sieg hatte sich seine Mannschaft endgültig den Klassenerhalt gesichert.

"Es war die richtige Reaktion vier Tage nach dem Chemnitz-Spiel. Wir waren aggressiver und haben Dortmund bei Ballbesitz unter Druck gesetzt", sagt Kogler. Doch er verschweigt auch nicht, dass es Phasen gab, in denen seine Spieler auch viel zu passiv waren.

Und diese Phasen überwogen gegen einen schwachen Gegner. Vor allem die erste Halbzeit war schwach - beiderseits. Und das trotz der Rückkehr der in Chemnitz gesperrten Rafael Czichos, Luka Odak und Kevin Möhwald. Koglers Landsmann Christopher Drazan war es, der mit seinen Sprints auf der linken Seite wenigstens ab und zu für etwas Unterhaltungswert gesorgt hatte.

Ein Doppelschlag nach der Pause in nicht einmal einer Minute sorgte mit den Treffern durch Marco Engelhardt und Simon Brandstetter (jeweils 56.) für die scheinbare Vorentscheidung. Weit gefehlt, denn Dortmunds Bubis machten es danach so spannend, dass Walter Kogler angesichts der folgenden Gästechancen in der 75. Minuten an der Seitenlinie fast ausgerastet wäre.

Alles klar machte später zum Glück Carsten Kammlott, der ein Zuspiel von Kevin Möhwald zum 3:0 einnetzte (88.) - der allerdings vier Minuten zuvor nach einem Konter den besser postierten Jonas Nietfeld außen vor ließ und selbst einen schwachen Schuss vorgezogen hatte.

Der Sieg war am Ende das wichtigste. Dortmunds Anschlusstreffer Sekunden vor dem Ende war egal. "Nach den letzten drei negativen Spielen waren wir den Fans diesen Erfolg schuldig", fand Simon Brandstetter, der seinen ersten Treffer nach sieben Monaten sichtlich genoss.

Auch wenn das Resultat nach dem 3:0 im Hinspiel standesgemäß war, das Spiel war es nicht. "Jetzt zählt nur noch der Pokal. Die Ligasaison ist gelaufen", sagt der nach seinem Wechsel aus Leipzig im Januar mittlerweile siebenfache Erfurter Torschütze Kammlott.

Er steht für die "Mission 2016", in der Rot-Weiß im Jahr des 50-jährigen Vereinsjubiläums aufsteigen will. Sein Vertrag läuft genau bis dahin. Andere Spieler des aktuellen Kaders wird man dann wohl nicht mehr im Steigerwaldstadion sehen. Wie den Kapitän. Nils Pfingsten-Reddig fand sich gegen Dortmund auf der Bank wieder. Ein deutlicher Fingerzeig, dass der Verein bei ihm wohl das Signal auf Trennung setzt. "In den Vertragsverhandlungen hat es schon einige Gespräche gegeben", sagt Sportvorstand Alfred Hörtnagl. Pfingsten-Reddig zählt dazu bislang noch nicht.

Andere Leistungsträger könnten folgen, falls der für die Lizenzerteilung so wichtige Landespokalsieg im Mai nicht kommt. Wie Jung-Nationalspieler Kevin Möhwald, dessen Vertrag bis 2015 läuft. 325"000 Euro Ablöse stehen bei ihm laut transfermarkt.de bei einem vorzeitigen Wechsel im Raum. Interessenten soll es reichlich geben.

Der Klassenerhalt wurde am Donnerstag geschafft. Die sportliche Zukunft des FC Rot-Weiß ist damit aber noch nicht gesichert. Nicht nur Walter Kogler wird das über seine kurzen Osterfeiertage durch den Kopf gehen.

i Thüringer Pokal-Halbfinale: Blau-Weiß Dachwig/Döllstädt - Rot-Weiß Erfurt: Ostermontag, 14.00 Uhr, AlfredJust-Stadion

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