FC Rot-Weiß Erfurt: Fans sagen Nein zu Kammlott

Der FC Rot-Weiß Erfurt hat ein Testspiel gegen Zweitligist Dynamo Dresden mit 2:0 gewonnen. Ob es angesichts der Personallage Verstärkungen gibt, ist noch offen. Einige Fans jedenfalls haben kein Interesse an einer Rückkehr von Carsten Kammlott.

Jonas Nietfeld trifft zum 1:0 für den FC Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden. Foto: Alexander Volkmann

Jonas Nietfeld trifft zum 1:0 für den FC Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden. Foto: Alexander Volkmann

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Erfurt. Eine genaue Prognose über die Rückkehr seiner Sorgenkinder ins Mannschaftstraining will Walter Kogler derzeit nicht abgeben. Fakt aber ist, sowohl Simon Brandstetter als auch Andreas Wiegel (beide Schambeinentzündung) und Kevin Möhwald (Adduktorenabriss auf der rechten Beininnenseite) werden zum Punktspielauftakt des neuen Jahres am 25. Januar zu Hause gegen Preußen Münster auf keinen Fall dabei sein. Für Innenverteidiger Jens Möckel (Ermüdungsbruch am Schienbein) ist die Saison sogar gelaufen. Abwehrspieler Rafael Czichos fehlt nach seiner Rotsperre gegen Münster ebenso wie Aykut Öztürk, der vergangene Woche vom DFB wegen Schiedsrichterbeleidigung für vier Spiele gesperrt wurde.

In Erfurt herrscht akuter Personalnotstand. "Wir können leider nicht aus dem Vollen schöpfen", umschreibt Kogler die Situation noch milde. Verstärkungen im Winter sind fast unumgänglich. In den vergangenen Tagen machte am Steigerwald der Name Carsten Kammlott immer wieder die Runde. Der 23-jährige Angreifer ist bei Drittligakonkurrent RB Leipzig nur noch zweite Wahl. Ohnehin läuft sein Vertrag bei den Sachsen im Sommer aus. "Ein interessanter Spieler", sagt Kogler nur.

Erfurt-Fans: "Keine zweite Chance für Kammlott"

Ein Spieler, der nach seinem Wechsel vor drei Jahren von Erfurt zum Retortenklub RB aber bei den rot-weißen Fans nicht mehr sonderlich beliebt ist. Am Sonnabend beim Test gegen Zweitligist Dynamo Dresden hatten Fans ein großes Transparent mit der Aufschrift "RB-Söldner boykottieren - keine zweite Chance für Kammlott" aufgespannt. Schon beim Hinspiel in Leipzig war Kammlott aus dem Erfurter Fanblock beleidigt und sogar mit Gegenständen beworfen worden. Wie der MDR erfahren haben will, soll Kammlott dennoch schon im Winter nach Erfurt zurückkehren - im Tausch mit dem im Sommer angeblich nach Leipzig gehenden Kevin Möhwald.

"Ich weiß davon nichts. Es gibt viele Gerüchte, an denen ich mich nicht beteiligen möchte", hält sich Erfurts Cheftrainer in dieser Personalie bedeckt. Die Gespräche mit Spielern, Beratern und Managern führe allein Sportchef Alfred Hörtnagl. Und dieser werde ihn erst kontaktieren, wenn sich ein Wechsel tatsächlich anbahnt. Kogler glaubt nicht, dass dies vor dem Münster-Spiel passieren wird. "Erst nach diesem Spiel", sagt der 46-jährige Österreicher, "werden wir eine Analyse vornehmen und Entscheidungen treffen."

Gegen Zweitligist Dresden machten zumindest die verbliebenen Akteure ihre Sache gut. Das 2:0 im ersten Härtetest nach der Weihnachtspause war vor den 3300 Zuschauern ein Achtungszeichen. "Eine sehr gute Einheit", wie Kogler fand. Mit Jonas Nietfeld (28.) und Mijo Tunjic (36.) traf das aktuelle Sturmduo - profitierte dabei aber von eklatanten Fehlern von Dynamo-Kapitän Romain Bregerie. Dem Gesamteindruck tat das aber keinen Abbruch. Vor allem Erfurts starke Abwehr ließ gegen müde wirkende Sachsen (13 Trainingseinheiten in der Vorwoche) kaum etwas zu. "Ich bin froh über diesen Test gegen körperlich schon starke Erfurter", war selbst Dresdens Trainer Olaf Janßen trotz der Niederlage nicht einmal unzufrieden. Dass seine nach der Pause komplett eingewechselte Wunschelf gegen Rot-Weiß außer zweier Chancen durch Mickael Pote (61.) und Zlatko Dedic (64.) auch nichts ausrichten konnte, machte Erfurts Testsieg noch wertvoller. Zumal auch Kogler in Halbzeit zwei neun neue Akteure auf den Platz schickte, darunter erstmals den erst 17-jährigen Eric Stelzer und den 19-jährigen Amer Kadric.

Von Anfang an dabei bis zu seiner Auswechslung war auch Profidebütant Philipp Serrek, der als offensiver Mittelfeldspieler diesmal in der Abwehr links die Czichos-Position bekleidete. "Er hat seine Sache ordentlich gemacht, auch wenn ihm zum Schluss etwas die Kräfte schwanden", lobte Kogler den 20-Jährigen, der im Sommer aus Meuselwitz kam und schon in den Nachwuchsabteilungen von Borussia Dortmund und Carl Zeiss Jena aktiv war.

Über Alternativen also kann und will sich Walter Kogler nicht beklagen. Schon deshalb freute es ihn, dass sich Marius Strangl nach fast drei Monaten Pause wieder mit einer guten Leistung zurückmeldete. Das 2:0 von Tunjic bereitete er mit einem langen Pass vor. "Es ist wichtig, dass wir nach den Ausfällen von Wiegel und Öztürk mit ihm auf der Außenbahn wieder rechnen können", so Kogler, der mit seiner Mannschaft im Frühjahr in der Tabelle weiter oben mitspielen will. Trotz aller Personalsorgen und ungeachtet der Tatsache, ob Kammlott kommt oder nicht.

Erfurt: Klewin (46. Kornetzky) - Odak (46. Baumgarten), Laurito (85. Stelzer), Kleineheismann, Serrek (66. Czichos) - Strangl (66. Öztürk), Pfingsten-Reddig (76. Derici), Engelhardt, Göbel (55. Fillinger) - Tunjic (85. Kadric), Nietfeld (55. Stolze). Schiedsrichter: Giese (Großräschen) - Zuschauer: 3291 - Tore: 1:0 Nietfeld (28.), 2:0 Tunjic (36.).

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