FC Rot-Weiß Erfurt: Gegen Rostock zum Punkt gezittert

Das war ein hartes Stück Arbeit, ehe für den FC Rot-Weiß Erfurt das 1:1 gegen Zweitligaabsteiger Hansa Rostock feststand. Vor dem Ostderby hatte es durch Gästefans schwere Randale gegeben, bei denen 46 Personen verletzt wurden.

Nils Pfingsten-Reddig vom FC Rot Weiss Erfurt jubelt nach seinem verwandelten Elfmeter zum 1:1. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. Ziemlich unrasiert kam Nils Pfingsten-Reddig daher. Nein, das sei kein Aberglaube, sagt Erfurts Kapitän. Nach dem Spiel, in dem die kleine Serie niederlagenloser Partien auf vier gestiegen war, wäre es aber gar nicht schlecht, wenn der Bart bis zum letzten Spiel des Jahres am 15. Dezember weiter wächst und seine Rot-Weißen ungeschlagen blieben. Pfingsten-Reddig dann als rot-blonder Weihnachtsmann - eine schöne Vorstellung.

Dass es gegen Rostock zum Remis reichte, war auch dem 30-Jährigen zu verdanken, der nach Foul an Dominick Drexler beim Strafstoß kurz vor der Pause wieder einmal eiskalt blieb. Im 91. Ligaspiel für Erfurt war es sein 17. Treffer - der 16. vom Elfmeterpunkt. Nur wenige in der Liga haben so die Ruhe weg, wie Pfingsten-Reddig. So war es auch gegen Hansa. "Der Torwart hat sich eine Sekunde zu früh bewegt. Da wusste ich, in welche Ecke ich schießen musste", sagt er und gibt zu, sich bei Strafstößen immer auf das Verhalten seines Gegenübers zu konzentrieren.

Das Tor, Sekunden vor dem Pausenpfiff, brachte Rot-Weiß zurück ins Spiel. Denn wie so oft in dieser Saison geriet die Mannschaft in Rückstand, nachdem Rostocks Tom Weilandt nach der ersten Hansa-Ecke seine Freiheiten nutzte, und aus kurzer Entfernung unbedrängt traf (25.). Zu diesem Zeitpunkt etwas glücklich für die Gäste, denn Erfurt war bis dahin die bissigere Mannschaft (3:0 Ecken). Große Torchancen aber ließen beide Abwehrreihen nicht zu. Erfurt besaß eine durch Marco Engelhardt, der nach seinem Nasenbeinbruch trotz Gesichtsmaske den Kopfball nach einer Ecke nicht scheute (15.). Sonst blieb im Erfurter Angriffsspiel aber vieles Stückwerk. Vielmehr entwickelte sich das Spiel von Beginn an zu einer zweikampfintensiven Partie, in der Schiedsrichter Robert Hartmann nach gut 30 Minuten bereits sechs gelbe Karten (drei auf jeder Seite) verteilt hatte.

Fußball fürs Auge war das nicht. "Schön zu spielen", sagt Pfingsten-Reddig, "darf man in unserer Situation auch nicht von uns erwarten." Vielmehr nahmen er und seine Mitspieler - anders als noch vor wenigen Wochen - den Kampf an. Was selbst Hansa-Trainer Marc Fascher später beeindruckte: "Sie haben den Abstiegskampf angenommen und sind auf dem richtigen Weg."

Das zeigte sich auch nach der Pause, in der beiden Mannschaften in der Offensive durch ungenaue Zuspiele wenig gelang und in der beide Abwehrreihen alles im Griff zu haben schienen. Auch die Erfurter, in der Marko Kopilas für den gesperrten Jens Möckel als Innenverteidiger einen guten Einstand feierte. "Er war in der Luft immer präsent und hat versucht das Spiel von hinten heraus zu dirigieren", bekam der Neuzugang, der vor seinem Wechsel nach Erfurt noch bei Hansa vergeblich vorgespielt hatte, Lob von seinem Trainer Alois Schwartz. Rostocks Torjäger Ondrej Smetana jedenfalls war bei Erfurts Innenverteidigung 90 Minuten abgemeldet.

Nur in der Schlussphase, als die Kräfte nachließen, durfte Rot-Weiß von Glück reden, dass es beim 1:1 blieb. Erst zirkelte der stark spielende Leonhard Haas den Ball am Pfosten vorbei (82.), säbelte der Holländer Johan Plat das Leder aus vier Metern übers Tor (89.), dann zielte Michael Blum aus 22 Metern zu ungenau auf das leere Tor, nachdem Erfurts Torwart Andreas Sponsel aus seinem Strafraum geeilt war und den Rostocker dabei unglücklich angeschossen hatte (90.+1).

"Es war wie in Darmstadt, als wir am Ende noch einmal zittern musste", hatte Nils Pfingsten-Reddig sein Deja-vu-Erlebnis ausgemacht. Doch wie zuletzt durfte seine Mannschaft auch nach dem letzten Spiel der Hinrunde am Ende jubeln. "In der Rückrunde", verspricht der Kapitän, "werden wir zur Aufholjagd blasen, denn Spaß macht es da unten in der Tabelle nicht." Sein Bart darf also weiter wachsen - als Glücksbringer für Rot-Weiß.

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