FC Rot-Weiß feuert Sportchef Rainer Hörgl

Die Sonne über dem Erfurter Steigerwaldstadion und die frühlingshaften Temperaturen täuschten am Tag nach der 0:3-Heimpleite am Abend zuvor gegen Erzrivalen FC Carl Zeiss Jena. Beim FC Rot-Weiß sind dunkle Wolken aufgezogen. Inzwischen hat der Verein reagiert - und den Trainer gefeuert.

Schattenseiten: Wenn es nicht läuft, muss der Trainer gehen. Rainer Hörgl erging es in Erfurt nicht anders.

Schattenseiten: Wenn es nicht läuft, muss der Trainer gehen. Rainer Hörgl erging es in Erfurt nicht anders.

Foto: zgt

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Erfurt. Mit sofortiger Wirkung beurlaubte Rot-Weiß gestern seinen Sportchef Rainer Hörgl in seinen Funktionen als Cheftrainer und sportlicher Leiter. Sein Nachfolger soll am kommenden Mittwoch beim Auswärtsspiel bei Bayern München II auf der Bank sitzen. Am kommenden Sonnabend gegen Sandhausen werden Co-Trainer Henri Fuchs und Torwarttrainer Thomas Köhler die Mannschaft betreuen. Dann werden der an der Nase operierte Martin Pohl und Christopher Handke aufgrund eines Muskelfaserrisses fehlen.

«Wir haben höchsten Respekt für Rainer Hörgl und seinem hohen Fußballsachverstand», betonte Klubchef Rolf Rombach, der den 53-Jährigen trotz der Beurlaubung auch für die Zukunft weiter an den Verein binden will. In welcher Funktion das sein wird, ließ man gestern noch offen.

Unmittelbar nach dem Jena-Spiel saßen Vorstand und Hörgl lange im Stadion zusammen. Nicht verklungen waren da die Schmährufe eines Großteils der RWE-Fans gegen den Trainer, die der Bayer quasi schon seit seinem Amtsantritt in Erfurt im Sommer 2009 zu ertragen hat. «Es tut weh. Ein wenig mehr Respekt ihm gegenüber wäre angebracht gewesen», so Rombach gestern. Dessen Vize Detlef Goss gab gestern vor den Medienvertretern zu, in der Nacht zuvor über seinen Rücktritt nachgedacht zu haben: «Fünf Jahre arbeite ich hier mit Rolf Rombach ehrenamtlich für den Verein. Die Reaktionen von den Rängen und die abgeschossenen Feuerwerkskörper während des Jena-Spieles waren für mich nicht zu ertragen.»

An einen Rücktritt dachte zumindest Rombach nicht, auch wenn er sich sichtlich entsetzt über die jüngste verbale Eskalation im Stadion zeigt: «Viele Fans», sagt er, «glauben, nur sie hätten ein Herz für den FC Rot-Weiß. Dabei arbeiten Detlef Goss und ich über fünf Jahre hier ehrenamtlich für den Verein, der wie ein großes Unternehmen geführt werden muss.» Der Anwalt für Insolvenzrecht fordert künftig eine bessere Kommunikation zwischen Verein und Fans.

Rainer Hörgl hatte nach seiner Beurlaubung nicht wie sonst bei Trainern üblich seine Taschen gepackt und das Weite gesucht. Der 53-Jährige stellte sich gestern der Presse. «Ich habe keinen Grund, mich zu verstecken und habe nichts verbrochen», so Hörgl, dessen persönliche Schmerzgrenze nach den persönlichen Anfeindungen gegen ihn am Mittwochabend überschritten war. «Die Art der Schmährufe gegen mich», sagt er, «haben die Grenze überschritten. Mir war vor dem Spiel klar, wenn wir verlieren, bin ich wieder der Buhmann. Ich wurde regelrecht diskreditiert.»

Hörgl zieht ausdrücklich die Konsequenzen aufgrund der Stimmung der rot-weißen Anhänger gegen seine Person. «Jetzt hat Rot-Weiß die Chance für eine andere Stimmung im Stadion, wenn der Buhmann weg ist. Ich appelliere an alle Zuschauer: Unterstützt die Mannschaft jetzt im Abstiegskampf bedingungslos.» Der Bayer, der seine Zeit in Erfurt nicht als persönlich größte Enttäuschung sieht, glaubt für die restlichen zehn Saisonspiele fest an den Klassenerhalt des FC Rot-Weiß: «Die Mannschaft ist gefestigt und steht eng zusammen.» Eine Generalabrechnung mit dem Verein und dessen Umfeld wird es für Hörgl nicht geben. «Das ist nicht mein Stil», betont er und gibt zu: «Die Mannschaft wurde zu Saisonbeginn zu gut gesehen. Wir können vorne mitspielen. Doch um länger unter den besten acht Teams spielen zu können, muss einiges passen.» Es fehle beim FC Rot-Weiß, sagt Rainer Hörgl, «in der Breite, um permanent vorn dabei sein zu können.»

Ob der FC Rot-Weiß jetzt einen Trainer nur für die restlichen Saisonspiele oder auch darüber hinaus verpflichten wird, ließ Rolf Rombach gestern offen. Erste Gespräche sollen noch im Laufe des gestrigen Tages geführt worden sein. Zuletzt beim 0:2 in Wehen-Wiesbaden waren mit Gerd Dais, Rudi Bommer und Pavel Dotchev drei derzeit vereinslose Trainer vor Ort. Der frühere Erfurter Cheftrainer Dotchev aber wird, so Rombach, nicht wieder am Steigerwald anheuern. «So lange Detlef Goss und ich hier sind, schließe ich das definitiv aus.»

Neben der Suche nach einem neuen Trainer wartet man beim FC Rot-Weiß in diesen Tagen auch auf Post vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Vorfälle im Erfurter Fanblock mit den Feuerwerkskörpern und Böllern beim Derby, die zu einer kurzen Spielunterbrechung geführt hatten, werden auf jeden Fall ein Nachspiel haben. «Ich hoffe, dass es diesmal noch bei einer Geldstrafe bleibt und wir nicht mit einem Punktabzug bestraft werden, der unsere sportliche Situation noch verschlimmern würde», sagt Rombach, während sein Vize Detlef Goss betont: «Wir haben im Stadion eine Videoanlage und hoffen, diese Leute so ausfindig zu machen. Sie werden nie wieder unser Stadion betreten und auf das schärfste zur Verantwortung gezogen.»

Der Mittag nach dem Thüringenderby: Die wärmenden Sonnenstrahlen täuschen darüber hinweg, dass dem FC Rot-Weiß Erfurt im Liga-Endspurt stürmische Zeiten bevorstehen.

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