Trainingsstart bei Rot-Weiß Erfurt: Preußer will offensiver spielen lassen

Thomas Czekalla
| Lesedauer: 5 Minuten
Die Neuen: Neben Christian Preusser (links), Sebastian Szimayer, Pablo Pigl, Fabian Hergesell, Mario Erb, Ronny Hebestreit ( Co-Trainer Erfurt ), v. v. li.: Jannis Nikolaou, Patrick Schikoski, Tugay Uzan.  Foto: Frank Steinhorst

Die Neuen: Neben Christian Preusser (links), Sebastian Szimayer, Pablo Pigl, Fabian Hergesell, Mario Erb, Ronny Hebestreit ( Co-Trainer Erfurt ), v. v. li.: Jannis Nikolaou, Patrick Schikoski, Tugay Uzan. Foto: Frank Steinhorst

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FC Rot-Weiß Erfurt: Trainingsstart mit 13 Neuen vollzogen - Kornetzky muss gehen

Erfurt. Es waren nicht wenige der gut 50 Schaulustigen, die ihm gestern beim Trainingsstart auf die Schultern klopften, als er zum Trainingsplatz hinter dem Steinhaus im Steigerwaldstadion kam. "Sakko" Schröder ist eben eine Institution beim FC Rot-Weiß. Der Mann, der im September 72 Jahre jung wird und der nie für einen anderen Verein tätig war, hängt als Mannschaftsbetreuer noch ein weiteres Jahr dran. Es wird seine 35. Saison. "Es macht einfach noch immer Spaß", sagt Schröder.

Erlebt hat er viel in dieser Zeit, hat Spieler und Trainer kommen und gehen sehen. Wie gestern. 13 Neue hatte Cheftrainer Christian Preußer zur ersten 90-minütigen lockeren Trainingseinheit um sich versammelt, neben erfahrenen Spielern wie den Hachinger Mario Erb oder Münsters Fabian Hergesell auch viele junge Spieler. "Sie müssen bei uns wachsen", sagt Schröder, der voraussagt: "Die werden erstmal zucken, wie es in der 3. Liga zugeht."

Angst vor der neuen Herausforderung beim FC Rot-Weiß aber hat keiner der Neuzugänge. Auch nicht Tugay Uzan, der aus der Regionalliga von Union Berlins Zweiter nach Erfurt gewechselt ist. "Jeder Schritt im Leben ist ein großer Schritt. Ich bin bereit für die 3. Liga", sagt der 21-jährige Stürmer selbstbewusst im Gespräch mit der TLZ. Am Donnerstag hat er in Erfurt seine neue Wohnung bezogen. Sein erstes Domizil in einer Kleinstadt wie Erfurt. "Die Stadt", sagt Uzan, "ist zwar nicht wie Berlin, aber sie hat ihr eigenes Flair."

Uzan kommt mit der Empfehlung von 16 Regionalligatoren. Ein Viertliga-Bomber gewissermaßen. Einer, der von sich behauptet, seine Stärken seien sein Torriecher und seine Einsatzstärke. "Ich habe vor keinem Gegner Angst", sagt der einstige U"19-Nationalspieler der Türkei. Selbstbewusst ist er, was bei seinen Vorbildern Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba auch nicht verwundert. Irgendwann, sagt Uzan, wolle er mal in England in der Premier League spielen, "weil ich den Kampffußball liebe".

Jetzt aber kickt er erstmal für Rot-Weiß. Für zwei Jahre hat er unterschrieben. Dabei gab es auch bessere Angebote für ihn. "Aber", so stellt er klar, "mich haben die Gespräche mit dem Trainer und Manager überzeugt."

Die ersten Eindrücke von den Neuen sind positiv. Findet Sebastian Tyrala nach dem ersten Training. "Das scheinen alles nette Jungs zu sein, die uns älteren Spielern in der Kabine gleich viele Fragen gestellt haben", freut sich der 27-jährige Regisseur schon auf die nächste Saison. Drei Wochen Urlaub liegen hinter ihm und den anderen. "Es hat gereicht. Ich bin erholt und froh, dass es jetzt wieder los geht." Nein, sagt Tyrala, über sportliche Ziele will er noch nicht reden. Nur der Landespokalsieg soll in der nächsten Saison unbedingt gelingen. Alles andere wird sich zeigen, wenn der Kader komplett ist.

Ein, zwei Spieler sollen noch kommen. Das hofft auch Christian Preußer, der gestern auch die A-Junioren Theodor Bergmann, Max Reinwald, Thure Illgner und Julian Löschner zum Auftakttraining geholt hat. "21 Feldspieler und drei Torhüter sind heute dabei", so der 31-Jährige, "mit 22 oder 23 Feldspielern wollen wir in die Saison gehen." Nicht mehr dabei sein wird Torwart Jeff Kornetzky, dem gestern die Freigabe erteilt wurde. Gesucht wird noch ein offensiver Mittelfeldspieler. Der Halberstädter Telmo Teixeira ist wohl ein Kandidat. Auch ein neuer Torhüter, der Druck auf Philipp Klewin ausübt, soll kommen.

Fünf Wochen Training stehen nun bis zum Saisonstart am 24. Juli vor den Rot-Weißen. "Das ist nicht viel Zeit", erklärt Preußer, der mit seiner Mannschaft einen neuen Stil spielen will. Offensiv will man agieren, spielerische Lösungen parat haben und gut verteidigen - auch offensiv. "Wir wollen hinten nicht mehr so offen sein wie in der letzten Saison", blickt Preußer voraus. Eine Aufgabenteilung gibt es im Training bei seinen Co-Trainern: Ex-Verteidiger Norman Loose ist für die defensiven Spieler zuständig, Ex-Stürmer Ronny Hebestreit soll sich um die Offensivleute kümmern.

Auch die Hierarchie werde sich bei den vielen Neuzugängen innerhalb der Mannschaft ändern, wobei die Kapitänsbinde wohl mit Stand gestern auch in der neuen Saison Torjäger Carsten Kammlott behalten wird. Der 25-Jährige blickt mit einem guten Gefühl nach vorn: "Ich glaube", sagt er, "wir haben gute Jungs geholt. Ich gehe beruhigt in die neue Saison."

Ab heute geht es täglich auf Heimspiel-Tour. Sechs Tage lang. "Wir werden vormittags trainieren und später spielen", sagt Christian Preußer. Tugay Uzan freut sich schon drauf: "Fußball spielen", sagt er, "macht doch Spaß."

Gänzlich ohne Ball aber werden die Rot-Weißen demnächst auch auskommen müssen, denn vom 27. bis 29. Juni geht es zum Lauftraining nach Bad Liebenstein.

In Erfurt jedenfalls stehen bewegte Vorbereitungswochen an. Auch zur Freude von "Sakko" Schröder.