Berlin. Der Kanzler will mehr Elektroautos unter die Leute bringen, doch der Absatz schwächelt. Antworten darauf hat auch die Branche nicht.

Ambitioniert klangen die Pläne der Bundesregierung, 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf die Straße zu bringen. Das, was bislang die umweltintensiven Verbrenner verrichten, sollen in Zukunft CO₂-arme Stromer übernehmen. Das selbstgesteckte Ziel liegt allerdings in weiter Ferne. Denn heute – knapp sechs Jahre vor Ablaufen der Frist – fahren nur etwa eine von 48 Millionen elektrisch. Grund genug für KanzlerOlaf Scholz und die zuständigen Minister, Vertreter aus der Autoindustrie und Energiebranche sowie der Wissenschaft und von Umweltverbänden zum Autogipfel zu laden.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Von Zulassungszahlen, über Subventionen und Ladeinfrastruktur bis hin zu hohen Strompreisen gab es viel zu besprechen im Kanzleramt. Dabei war das Timing denkbar günstig: Denn der vom Verfassungsgericht gekippte Klima- und Transformationsfonds (KTF) speiste zahlreiche Subventionen, die Interessierte eigentlich zum Kauf eines Elektroautos motivieren sollten. Dazu gehört etwa der sogenannte Umweltbonus, der seit 2016 den Kauf eines Elektroautos fördert. Bereits vor dem Urteil des Gerichts hatte die Bundesregierung beschlossen, die Fördermenge im nächsten Jahr zu senken.

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Ausschließlich für Elektroautos sollten private Käufer ab 2024 bei einem Nettokaufpreis von maximal 45.000 Euro einen staatlichen Zuschuss von 3000 Euro erhalten. Inwieweit das Geld tatsächlich ausgezahlt werden kann, blieb nach dem Gipfel allerdings offen. Vielmehr wolle man eine „Verbesserung der angebotsseitigen Kostenstruktur“ erreichen, wie es nach dem Gipfel vage hieß. Darüber hinaus liege Potenzial auf Seiten der Hersteller, die durch technologische Entwicklungen bei Batterien ihre Kosten senken könnten.

„Aufbau der Ladeinfrastruktur intensiv fortgesetzt“

Konkreter wurde es für Verbraucher bei der Absichtserklärung, die Modellbreite an Elektroautos zu erhöhen. Daneben stand die Ladeinfrastruktur auf der Tagesordnung des Autogipfels. Derzeit gibt es laut Bundesnetzagentur über 100.000 Ladesäulen im Bundesgebiet, davon sind gut 20.000 sogenannte Schnellladesäulen. Bereits bei der Internationalen Automobil-Ausstellung im Sommer hatte Kanzler Scholz ein Gesetz angekündigt, dass Tankstellenbetreiber zur Installation von Ladesäulen verpflichten soll.

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Inwieweit die Bundesregierung diese Pläne intensiviert, wurde nach dem Gipfel nicht beantwortet. Dafür aber nahm Verkehrsminister Volker Wissing die Autobauer in die Pflicht. Er begrüßte nach dem Treffen das klare Bekenntnis der Automobilindustrie, auch selbst in Ladeinfrastruktur zu investieren.

Erhaltung des Wirtschaftsstandorts Deutschland

Letztlich kreiste der Gipfel auch um die Frage, wie der Wirtschaftsstandort Deutschland mit seiner elementaren Automobilindustrie erhalten werden kann. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Mittel für den Aufbau von Halbleiter- und Batterie-Produktionskapazitäten „begrüßten“ die Teilnehmer. Die Hersteller verpflichteten sich, die Beschaffung von Rohstoffen und Halbleitern mit langfristigen Verträgen abzusichern.

Autoexperte Ferdinand Dudenhoeffer zeigt sich enttäuscht von den Ergebnissen des Autogipfels.
Autoexperte Ferdinand Dudenhoeffer zeigt sich enttäuscht von den Ergebnissen des Autogipfels. © picture alliance / Bernd Thissen | Bernd Thissen

Außen vor blieben dagegen die von Opel-Chef Florian Huettl angeprangerten hohen Stromkosten – zumindest öffentlich. Enttäuscht zeigte sich auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Was man wirklich braucht, ist, dass die Preisspreizung zwischen Verbrennern und Elektroautos deutlich kleiner wird“, sagte Dudenhöffer dieser Redaktion. Er fordert die Wiedereinführung der ursprünglichen Umweltprämie von bis zu 9000 Euro. „Das würde den Hochlauf deutlich beschleunigen.“

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