FC Carl Zeiss: In Jena rumort es

Den Aufstieg verpasst, den vierten Platz, der zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt, auch: Beim FC Carl Zeiss Jena rumort es gewaltig.

Der FC Carl Zeiss Jena steht vor dem finanziellen Aus. Foto: Sascha Fromm

Der FC Carl Zeiss Jena steht vor dem finanziellen Aus. Foto: Sascha Fromm

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Jena. Der letzte Vorhang der Spielzeit ist gefallen, die Maske auch. Das, was der sportliche Erfolg in den letzten Wochen alles übertünchte, wird nun in den kommenden Tagen zum großen Thema. Der FC Carl Zeiss Jena steht vor dem finanziellen Aus, der Lizenzentzug droht, die Spielerflucht hat längst begonnen, manch Profi scheut nicht, Klartext zu reden.

Etwas verdutzt schaute Michael Gardawski schon, als er vor dem Spiel zur offiziellen Verabschiedung hervortreten sollte. Es hatte etwas vom Schulsport, zweite Klasse. Der Präsident und sein Adjutant kamen auf ihn zu, Carsten Sträßer musste den jungen Mann, der im Winter von Michael Born aus Köln geholt wurde, noch ermutigen, einen Schritt nach vorn zu machen, um den Blumenstrauß in Empfang zu nehmen. Gewusst hat er nämlich nichts davon, bis zu dieser Aktion der Vereinsspitze war für Gardawski das Kapitel FCC auch noch gar nicht beendet. "Ich fühle mich hier sehr wohl, bin gut aufgenommen worden und es hat Spaß gemacht, vor diesen Fans zu spielen. Wir haben den Kopf nie hängen lassen und können stolz sein auf das, was wir geleistet haben", sagt er. Gern hätte er das auch im kommenden Jahr weitergemacht - nur geredet hat keiner mit ihm. Stattdessen gibt es die unerwartete Verabschiedung.

Das passt ins Bild, das die Großkopferten derzeit abgeben. Zwischen Aufsichtsrat und Präsidium soll es tüchtig knistern, weil manch Aufsichtsrat gegen Rene van Eck als Trainer sein soll. Der beantwortete die Frage, ob er Trainer bleibe, mit einem vielsagenden "Vielleicht!". Er wolle wissen, welches Gesicht die Mannschaft im kommenden Jahr habe. Für ein Himmelfahrtskommando, bei dem er am Ende als Sündenbock herhielte, steht van Eck nicht zur Verfügung. Die stete Unruhe habe viel Kraft gekostet, auftanken will er über Pfingsten in der Schweiz mit seinen Kindern.

Zuvor steht am Dienstag die große Sponsorenversammlung an. Schon jetzt ist durchgedrungen, dass sich einige Geldgeber zusammentun wollen, um eine sofortige Neuwahl der Vereinsspitze zu fordern. Es wird den Töpel, Beyer und Co. schlicht nicht zugetraut, die Krise zu meistern.

Kontra bekommen die Bosse nun auch noch aus der Mannschaft. Torwächter Carsten Nulle ließ seinem Ärger über die Art und Weise des Umgangs mit den Spielern freien Lauf. "Wir sind zu wenig gewürdigt worden. Zu viele Parolen wurden über die Zeitung verbreitet: Wir machen hier, wir machen da. Nur mit uns hat keiner gesprochen." Gerade in Fahrt gekommen, legte Nulle, der beste Torwart der Liga, sogleich nach: "Man sollte würdigen, was diese Mannschaft in der Rückrunde geleistet hat. Es ist immer nur geträumt worden, jeder hat sich schon gesonnt." Wen er genau meinte, wollte er nicht sagen. Und weiter: "Du gewinnst die Derbys, da wird sich gefreut.

Aber in die Kabine kam keiner und hat uns gratuliert. Das ist zu wenig." Tief enttäuscht zeigte er sich auch über Indiskretionen der Verantwortlichen bezüglich seiner Freigabe für einen Vereinswechsel: "Grundsätzlich habe ich mich maßlos geärgert, dass es in der Zeitung gestanden hat. Es war ein vertrauliches Gespräch zwischen meinem Berater und der Vereinsspitze. Man hätte das diplomatischer lösen können, um dem Verein zu helfen. Wenn der FCC am Tropf hängt, kann man das besser machen. Mein Berater hat nicht geplappert." Nulles Quintessenz: "Die Lage ist nicht gut. Sie ist mehr als schlecht." Und ja, Carsten Nulle habe Angst um seinen FCC. "Im Berufsleben müssen Sie einen Plan haben, den müssen sie abarbeiten. Nicht, wenn es zu spät ist."

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