Lothar Kaiser: Wegen Rot-Weiß Erfurt schon einmal aus dem Urlaub ausgebüchst

Er ist eine der guten Seelen beim FC Rot-Weiß Erfurt: Am 5. Oktober feiert Lothar Kaiser seine 50-jährige Vereinsmitgliedschaft beim jetzigen Drittligisten.

Lothar Kaiser (re.), langjähriger Vorsitzender des Ältesten- und Ehrenrates bei Rot-Weiß Erfurt, neben dem leider verstorbenen Erfurter Fußball-Idol "Eddi' Franke.

Lothar Kaiser (re.), langjähriger Vorsitzender des Ältesten- und Ehrenrates bei Rot-Weiß Erfurt, neben dem leider verstorbenen Erfurter Fußball-Idol "Eddi' Franke.

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Fußballverrückt, ja das ist er. Die DDR-Sportreporterlegende Wolfgang Hempel, früher Nachbar der Familie, hat ihn als kleinen Jungen mit zum Fußball genommen. Sein früherer Sportlehrer Heinz Grünbeck schickte ihn als Schüler der 7. Klasse dann zum Training der BSG Turbine Erfurt. "Damals war Helmut Nordhaus dort Trainer und hatte zu mir gemeint, ich hätte kein Talent."

Vom Fußball ist er dennoch nie losgekommen. Vor allem nicht von Turbine und dessen Nachfolger FC Rot-Weiß. Mit dem heutigen Tag ist Lothar Kaiser 50 Jahre lang Mitglied des Vereines, wird dafür morgen beim Heimspiel des Drittligisten gegen die Stuttgarter Kickers auch gebührend geehrt. Irgendwie ist Lothar Kaiser die gute Seele der rot-weißen. Seit zwölf Jahren ist er zudem Vorsitzender des Ältesten- und Ehrenrates, hält in dieser Funktion u.a. auch den Kontakt zu den noch lebenden Erfurter Fußball-Legenden. Eine davon ist Helmut Nordhaus. Der mittlerweile schwer kranke Kapitän und Spielführer der zweifachen Meistermannschaft aus den 50-er Jahren wird in der kommenden Woche 90 Jahre alt. Lothar Kaiser hat sich dafür eingesetzt, dass Nordhaus an seinem Ehrentag der erste Ehrenspielführer in der Geschichte des FC Rot-Weiß werden soll. "Das sind solche Tage", sagt Lothar Kaiser, "die mir nahe gehen."

Viele leben von den einstigen Helden nicht mehr. Zu Erich Martin gibt es seit Jahren keinerlei Kontakt. Der besteht zum letzten der noch lebenden Troika, dem in Bad Kissingen lebenden Karl-Heinz Löffler, aber intensiv. Die glorreichen Erfurter Fußballzeiten erlebte Lothar Kaiser am Spielfeldrand oft als Balljunge mit, später nach seiner medizinischen Ausbildung zum Chirurgen wirkte er auch als Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes, so u.a. auch in den unvergessenen freundschaftlichen Vergleichen gegen damalige Top-Klubs wie Torpedo Moskau oder Flamengo Rio de Janeiro.

Kaiser hat viele Höhen mit seinem Verein erlebt. "Der größte Moment", sagt er heute, "war nach der Wende unser Aufstieg in die 2. Bundesliga. Auch der 2. Aufstieg 2004." Den durfte Lothar Kaiser als damaliges Aufsichtsratsmitglied bei Rot-Weiß sogar vom Rathausbalkon aus mitfeiern, durfte sich in das goldene Buch der Stadt eintragen.

Viel Zeit seines Lebens spielt sich für Rot-Weiß Erfurt ab. Seine heutige Lebensgefährtin unterstützt ihn darin. Aber auch früher kam er kaum vom Fußball los: "Ich erinnere mich an einen Urlaub mit der Familie in Rathen in der sächsischen Schweiz, wo ich einmal ausgebüchst war, weil Rot-Weiß ein Heimspiel hatte und ich unbedingt dabei sein wollte."

Kaiser hat in all den Jahren Spieler wie Trainer kommen und gehen sehen. Der beste Trainer, sagt er, sei Hans Meyer gewesen. Den besten, weil auch freundschaftlichen Kontakt habe er zu Frank Engel und Jürgen Raab gehabt. In diesen Tagen aber leidet der Chirurg a.D. wie viele Rot-Weiß-Fans mit dem Klub. Platz 19 ist nicht das, was er sich vorgestellt hat. "Emotional", sagt er, gehen mir solche Tiefs wie jetzt auf das Gemüt."

Morgen wird er wieder die Daumen drücken, wird mit seinem Rot-Weiß-Schal auf der Tribüne mitfiebern. Und er wird für 90 Minuten wenig daran denken, dass er seit Freitag 50 Jahre lang Mitglied jenes Vereines ist, an dem sein Herz hängt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren